Das trinationale Zupfensemble Passerelle gastierte im historischen Zunftsaal zum Schmiedenhof in Basel
Das Ensemble à Plectre / Zupfensemble Passerelle ist eine trinationale badisch – elsässisch – schweizer Koproduktion. Anlässlich eines Verbandslehrgangs des Bundes Deutscher Zupfmusiker (BDZ) im Januar 2017 trafen sich SpielerInnen der Société des Mandolinistes et Guitaristes d’Illkirch-Graffenstaden, der Société des Mandolines „Espérance“ de Schiltigheim sowie des Mandolinenvereins Auenheim erstmals zum gemeinsamen Musizieren. Es folgten zahlreiche Auftritte im Elsass, Baden und Südfrankreich. Seit 2018 verstärken auch Mitglieder des Zupforchesters Riehen Basel das Ensemble, welches mit diesem Konzert erstmals in der Schweiz auftrat.

Das durchweg zeitgenössische Programm wurde mit dem Fest Walzer des japanischen Komponisten, Mandolinisten und Dirigenten Masataka Hori (*1985) eröffnet. Er studierte in Japan und Saarbrücken und überrascht in seiner 3/4 Takt Komposition mit 2/4 Takt Stolpersteinen.
Nach einer kurzen Begrüssung interpretierte das Ensemble das Stück Yume des ebenfalls japanischen Komponisten Katsumi Nagaoka (*1963). Yume ist japanisch und bedeutet Traum. Das Stück beschreibt den traumähnlichen Zustand, der beim Schlafen entsteht und der von Frieden und Klarheit geprägt ist. Aber Achtung nach dem entspannten Einschlafen wechselt der Charakter der Komposition und das Ensemble brachte in energetischem Zusammenspiel die im Schlaf verarbeiteten Sehnsüchte und Hürden des Lebens zum Ausdruck.
Es folgte der im Quintett interpretierte Zweiminutenwalzer des deutschen Komponisten Christopher Grafschmidt (*1964). Der Name ist Programm. So entführt das Stück ambitionierte Tänzer nur zwei Minuten auf den Tanzboden.
Das melancholische Lied Alfonsina y el mar des argentinischen Komponisten Ariel Ramirez (1921-2010) ist eine Hommage an die berühmteste Lyrikerin Argentiniens Alfonsina Storni, die sich 1938 ins Meer stürzend das Leben nahm. Das Lied im Rhythmus der Zamba bringt die Figur Storni mit einer romantischen Erzählung über ihren Tod zurück und beschwört gleichzeitig ihre Poesie, ihre Stimme und ihre Subjektivität herauf. Das Ensemble spielte eine Bearbeitung von Sylvie Parlati-Pereira.
.Als nächstes Stück wurde der Tango Satumaa des finnischen Komponisten Uno Mononen (1930-1968) aufgelegt. Satumaa (Märchenland) ist der berühmteste finnische Tango. Er wurde 1955 zum ersten Mal aufgenommen und konkurrierte in den Charts mit den Hits der Beatles oder der Rolling Stones. Er handelt von einem Traumland jenseits des Meeres, nach dem sich der Komponist sehnt und in dem seine Geliebte für ihn unerreichbar ist.
Dem finnischen Tango folgte der wohl berühmteste Blue Tango des amerikanischen Komponisten Leroy Anderson (1908-1975). Anderson, der unter anderm durch seinen Typewriter, einer Komposition für Schreibmaschine bekannt wurde stürmte damit 1952 die Charts.

Das stilistisch bereits sehr abwechslungsreiche Programm wurde mit Skabbalabaster von Christopher Grafschmidt (*1964) fortgesetzt. Das Stück lehnt sich an die jamaikanische Musikrichtung Ska und Reggae an und ist einfach ein Gute-Laune-Stück in Moll. Ein Begriff, der im Ska gern verwendet wird, ist “buster”, was sich als Freundchen übersetzen lässt. Skabbalabaster hat also nicht mit kabbalistischer Lehre zu tun, sondern ist einfach ein Kunstwort, das sich gut skandieren lässt.
Den Höhepunkt und Abschluss des Konzertes bildeten das sinfonische Intermezzo Asrael (op.69) und El Fuego Brillante (op.70) des deutschen Komponisten Dominik Hackner (*1968). In der sehr persönlichen Komposition Asrael verarbeitet Hackner seine Erlebnisse in der Flutnacht vom 14. Juli 2021 in seiner Heimat, dem Ahrtal. Azrael, der Todesengel in der islamischen Mythologie, war titelgebend für das Zupforchesterwerk, das im Andenken an die Opfer der Katastrophe geschrieben wurde. Im Gegensatz dazu spiegelt das mitreissend fröhliche Stück El Fuego Brillante das Leben wieder. Es bildete den Abschluss des Konzertes und wurde anlässlich einer Hochzeitsfeier dem Brautpaar gewidmet.
Das begeisterte Publikum wurde mit den Pizzicato Klängen von Plink, Plank, Plunk des amerikanischen Komponisten Leroy Anderson(1908-1975) als Zugabe verabschiedet.


