Gänsehaut beim Zuhören garantiert – Kirchenkonzert 2005
Kehl-Auenheim. Zu seinem traditionellen Kirchenkonzert hatte am Sonntag der Mandolinenverein Auenheim unter seinem langjährigen Leiter Jean-Philippe Hummel eingeladen. Im nunmehr 21. Jahr veranstaltet der Mandolinenverein sein Konzert in der Auenheimer Kirche, und auch diesmal konnte sich Vereinsvorsitzender Johannes Mellein über ein voll besetztes Gotteshaus freuen.
Mit Händels kurzer „Sarabande“ begaben sich die Auenheimer auf eine musikalische Reise, die die Grenzen zwischen E- und U-Musik sprengte. Neben der klassischen Sonate C-Dur von Antonio Soler überraschte vor allem Hummels ironische Überarbeitung von Mozarts Kleiner Nachtmusik, die prompt in eine Kleine Lachmusik umfunktioniert wurde, bei der fast zwei Dutzend Ohrwürmer aus anderen Musikstücken regelrecht verwoben worden waren.
Eine weitere Steigerung gab es bei der Finlandia-Suite in vier Sätzen von Hermann Ambrosius, ein „Klassiker“ der zeitgemäßen Musik für Zupfinstrumente. Die Musiker um Dirigent Jean-Philippe Hummel sind der beste Beweis dafür, dass auch Zupfinstrumente virtuos und insbesondere im intimen Raum der Kirche ganz exquisit klingen können. Der Vortrag machte den Eindruck bestens geschulten musikalischen Bewusstseins, das bei Laienmusikern nicht immer anzutreffen ist – ein besonderes Verdienst des Dirigenten.
Eine Premiere gab es mit dem Auftritt des Elzacher Panflötisten Jürgen Schultis, der mit einer sehr gefühlvollen Darbietung glänzte. Das Zupforchester begleitete den Solisten bei unterschiedlichen Melodien wie etwa Faures „Pie Jesu“ und dem Sinatra Lied „My Way“, beide Stücke übrigens in einer Bearbeitung von JeanPhilippe Hummel.
Die sehr ausdrucksvoll interpretierten Sequenzen wurden mit lang anhaltendem Applaus vom Publikum honoriert. Besonders hervorzuheben ist die Darbietung von Ennio Morricones „Cockey’s Song“, das aus dem Film „Es war einmal in Amerika“ stammt, und während des Spiels für eine Gänsehaut sorgte. Mit der Zugabe „El Condor Pasa“ beendeten Panflöte und Zupforchester ein großartiges Zusammenspiel.
„Liederkranz“ als Gast
Das abwechslungsreiche Programm wurde vom Männergesangverein „Liederkranz“ aus Rheinbischofsheim unter der Leitung von Viktor Asberger mitgestaltet. Die“Liederkranz“-Sänger konnten bei ihrem überzeugenden Auftritt mit konzertanten sowie weltlichen Stücken ausgiebigen Beifall ernten. Im ersten Teil waren anspruchsvolle Stücke wie Papperts „Halleluja-Halleluja“, das russische Lied „Blagoslowi, Dusche Moja, Gospoda“, „Dona, Pacem, Domine“, und Johannes Schweizers „Sancta Maria“ zu hören.
Nach der Pause kamen mit „Musica; Du Schöne Kunst“, das sehr gefühlvoll vorgetragene „Waldlied“und „Ein kleines Haus am Rhein“ an die Reihe. Als einer der genussvollen Höhepunkte erwies sich zum Schluss wieder „Benia Calastona“ von Giuseppe de Marzi, bei dem die Rheinbischofsheimer Sänger einen langen Atem beweisen mussten. In den Reihen des Männerchors herrschten klare Harmonien sowie ausgewogene und gefühlvolle Stimmen vor. Ein willkommener Leckerbissen war der gemeinsame Auftritt von Chor und Zupforchester mit dem berühmten Freiheitschor aus „Nabucco“.
Im Anschluss an das Konzert konnten Besucher, Sänger und Musiker den Abend auf dem Auenheimer Kirchplatz in geselliger Runde ausklingen lassen. Trost für alle, die das hörenswerte Konzert nicht besuchen konnten: ein Wiederhören mit den Mandolinenverein Auenheim gibt es beim Herbstkonzert am 15. Oktober im Auenheimer Bürgersaal.
Text und Fotos: Oscar Sala
